Was bedeutet

sensorische Integration ?

     

 

Sensorische Integration ist ein neurologischer  Prozess, bei dem das Gehirn eingehende  

Sinnesreize ordnet und dem  Menschen ermöglicht, sich in seiner Umwelt  angemessen zu verhalten.

 

Durch die sensorische Integration werden verschiedene Wahrnehmungsbereiche miteinander in Verbindung gebracht. Die sensorische Integration spielt eine zentrale Rolle in der Entwicklung eines Kindes. Von Anfang an, nutzt das Kind seine Erfahrungen, um Neues zu erlernen. Es entstehen neue Verknüpfungen im Nervengeflecht des Gehirns und das Gehirn vergrößert   

seinen Erfahrungsspeicher.

 

Sensorische Integrationsstörungen entstehen, wenn das Fundament der Entwicklung nicht stabil genug und nicht gut für die Belastungen des Alltags vorbereitet ist. Solche Einschränkungen

sollten Erzieherinnen erkennen können und die Fähigkeiten besitzen, gezielt darauf einzugehen.                                                                                                                   

                                   

 

 

Sensorische Integration (SI) gehört zur normalen Entwicklung.

Die Aufnahme, Verbindung und Verarbeitung von Berührungen, Bewegung, Körperhaltung, Riechen, Schmecken, Tasten, Hören wird als sensorische Integration bezeichnet. Sie ist die elementare Grundlage von Handeln und Lernen. Alle über die Sinnessysteme aufgenommenen Informationen werden „integriert“, das bedeutet sie werden im Nervensystem und Gehirn weitergeleitet, verarbeitet und gedeutet, damit sinnvolle, der jeweiligen Situation angemessene Handlungen umgesetzt werden können.

 

Sensorische Integration beginnt bereits im Mutterleib

und entwickelt sich im frühen Kindesalter rasch. Das ist von großer Bedeutung, da in dieser Zeit die Grundstrukturen für alle weiteren Vernetzungen der Sinnessysteme gelegt werden. Dieser Prozess setzt sich mit abnehmendem Alter lebenslang fort.

                                                                                                          

Die Vernetzung der Sinneseindrücke,

die über Haut, Muskeln, Vestibularorgan, Nase, Zunge, Hände, Ohren und Augen aufgenommen werden, bilden die Basis für den Erwerb von Bewegungen, Handlungsfähigkeit, Sprache, Interaktion und die Fähigkeit abstrakt zu denken. Mit diesen Voraussetzungen können höhere Leistungsfähigkeiten, wie Lesen, Schreiben, Rechnen usw. angestrebt werden.  (Meier / Richle, Dortmund 1994, S. 14)

                                                                                                        

 

Definition: Wahrnehmung & Sensorische Integration ?

          „ Wahrnehmung ist die Aufnahme, Weiterleitung, Verarbeitung und Reaktion auf

             einen oder mehrere Reize.“

          „ Sensorische Integration ist die Zusammenstellung von sensorischen

             Informationen für den Gebrauch. Das heißt der Vorgang, durch den das Gehirn

             Auskünfte von den Sinnen aufnimmt, erkennt, deutet und eingliedert; um

             daraufhin mit einer anpassenden Handlung zu reagieren.“

 (vgl. A.Jean Ayres , Berlin 1984, S. 6 ff)

 

  

Zur Verdeutlichung ein Beispiel:

 

Stellen Sie sich vor, sie laufen über einen Waldboden. Sie nehmen als erstes verschiedene Reize auf. Der Boden ist uneben, vielleicht feucht und kalt. Er ist zwischendurch rutschig und glitschig vom Regen. Diese Reize werden dem Gehirn als Signale gesendet. Das Gehirn speichert diese Reize und vergleicht sie dann mit Erfahrungen die Sie eventuell in Ihrem bisherigen Leben gesammelt haben. Ihnen ist dieser Waldboden nicht unbekannt. Sie wissen, wie sie ihren Gang ändern müssen, wenn sie von der trockenen Wiese auf einen glitschigen Lehmboden gehen. Es folgt eine Reaktion. Sie müssen Ihren Gang verändern, vorsichtiger vielleicht sanfter auftreten. Das Gehirn gibt Ihnen eine Rückmeldung. Entweder Ihr Verhalten war richtig, sie sind gelaufen ohne Einschränkungen oder Sie sind gefallen, weil sie Ihren Gang nicht anpassen konnten, auf Grund einer fehlenden Reaktion ? Während dieses Wahrnehmungsprozesses können mehrere Lücken auftreten.

 

-          Das Gehirn hat die Reize nicht oder gemindert auf und wahrgenommen ?

-          Die Reize wurden nicht oder stark zeitverzögert ans Gehirn weitergeleitet ?

-          Es hat keine oder eine geminderte Speicherung im Gehirn stattgefunden ?

-          Das Gehirn konnte nicht vergleichen, da bisher gesammelte Erfahrungen noch nicht stattfanden oder diese nicht gespeichert wurden ?

-          Es erfolgt keine angemessene Reaktion ?

-          Eine Rückmeldung bleibt aus ?

 

                                                                                       

Die Inhalte, sowie Entwicklung und Fördermassnahmen der sensorischen Integration können Sie in unseren Seminarreihen oder unseren 2 - tägigen Seminaren erfahren oder im Praxisbuch Sozialpädagogik Band 1 nachlesen.

 

 

 

Wahrnehmungsstörungen
Eine Information für Eltern
Von Birgit Pullich
  
                                              
 
Lieber Interessierte, dieser Artikel wurde von Frau Pullich verfasst. Wir finden, dass dieser Artikel sehr wichtig und interessant ist. Wir möchten aber darauf hinweisen, dass sich Frau Pullich in diesem Artikel vor allem auf das Konzept der Sensorischen Integration von Jean Ayres bezieht. Dieses Konzept bietet auch Möglichkeiten der Förderung von Kindern mit Problemen der Wahrnehmung an, hat aber nicht die Gruppe der Kinder mit schwersten Behinderungen im Blickfeld, sondern Kinder die motorische und sensorische Auffälligkeiten haben.
Es lohnt sich dennoch diesen Artikel zu lesen. Denn in dem Artikel wird anschaulich beschrieben, wie viele Modalitäten des Lernens zur eigenen Entwicklung notwendig sind und um Ideen und Anregungen zur Förderung zu bekommen.
Annette Schramm
 
Vorwort
Man hört und liest den Begriff Wahrnehmungsstörungen immer häufiger, aber was ist das eigentlich genau? Wie entsteht diese Störung und was kann man dagegen tun?
Wenn das eigene Kind in seiner Entwicklung verzögert ist, erzeugt das bei den Eltern viele Fragen und Sorgen. Gerade bei Wahrnehmungsstörungen wirkt vieles wie Erziehungsschwierigkeiten, so dass große Unsicherheit herrscht, ob und wo man Hilfe suchen soll. Der Alltag mit einem wahrnehmungsgestörten Kind ist meist sehr anstrengend und es bleibt kaum Zeit (und Kraft), Fachbücher zu wälzen.
Als betroffene Mutter fand ich diesen Informationsmangel am schlimmsten. Bis zur Diagnosestellung konnte ich kaum begreifen, wogegen ich kämpfte. Warum hatte das Kind so viele Schwierigkeiten und warum war es so schwer, ihm zu helfen? So kam mir später die Idee, eine Erklärung für Eltern zu schreiben, denn Wahrnehmungsstörungen sind so komplex, dass man sie nicht zwischen Tür und Angel erklären kann.
Als Grundlage verwende ich das Buch "Bausteine der kindlichen Entwicklung" (Die Bedeutung der Integration der Sinne für die Entwicklung des Kindes) von A. Jean Ayres. Wenn ich wörtlich zitiere, werde ich den Text wie folgt drucken:
Mütter, deren Kinder Entwicklungsprobleme haben, tragen eine enorme seelische Last. Nur in wenigen Berufen haben Menschen Ähnliches zu ertragen, doch ist hier die Last von einer anderen Art. Die Väter neurologisch behinderter Kinder können sich von dieser Bürde ebenfalls nicht befreien, aber sie tragen sie anders als die Mütter.0
Manchmal scheint die Last des Problems unerträglich zu sein. Sein Vorhanden-sein oder seine Schwere werden dann einfach geleugnet, um damit fertig werden zu können. Andere Eltern erkennen die Bedeutung des Problems und suchen immer wieder nach geeigneten Auswegen aus der schwierigen Situation.
Die Suche nach Lösungen wird dieses Buch noch nicht beenden können, da es nicht im Besitz aller Antworten ist. Aber es wird vielen Eltern die Möglichkeit bieten, ihr Kind besser zu verstehen. Je mehr ein Problem begriffen wird, desto wirkungsvoller kann man es lösen. Dieses Buch wurde geschrieben, um das Verstehen zu fördern. A.Jean Ayres
Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass es hilfreich ist, wenn man versteht, warum das Kind so viele Schwierigkeiten hat. Es wird leichter, Ungeduld und Wut aus dem Alltag zu verbannen. Nur mit dem Verstehen der Probleme wird man den richtigen Weg für sein Kind finden können.
Ich hoffe sehr, dass dieser Bericht Ihnen weiter helfen kann,
Mai 2001
Birgit Pullich

Was sind Wahrnehmungsstörungen?
In den ersten Lebensjahren machen alle Kinder vielfältige Erfahrungen mit allen Sinnesorganen. Dabei lernt das Kind automatisch, alle aufgenommenen Reize im Gehirn zu verarbeiten, miteinander zu verknüpfen und sinnvoll darauf zu reagieren. Dieser Prozess wird "Integration der Sinne" genannt.
Wenn die Integration der Sinne gut verläuft, hat das Kind Spaß an seinen Bewegungen und Freude an seinem Tun. Man sieht das sehr schön an Säuglingen und Kleinkindern, die etwas Neues entdeckt haben und es dann 1000 Mal wiederholen wollen. Nur so können alle Sinneseindrücke sinnvoll miteinander verknüpft werden: Das Kind erfährt die Bewegungen seines Körpers, es sieht und spürt das Spielzeug, gleichzeitig hört es die Geräusche, vielleicht riecht es auch etwas, es verfolgt die Reaktionen auf sein Tun- und all das wird im Gehirn verarbeitet.
Wenn diese Verarbeitung der aufgenommenen Reize nicht gut gelingt, spricht man von Wahrnehmungsstörungen. Es handelt sich also nicht um eine Krankheit, die Sinnesorgane selbst sind gesund, aber die Meldungen, die von den Sinnesorganen kommen, sind für das Kind anders als üblich.
Zum Beispiel ist das Auge völlig gesund, aber im Gehirn wird das aufgenommene Bild nicht richtig verarbeitet. So kann das Kind nicht unterscheiden, ob das hell-dunkel-Muster auf dem Boden der Schatten eines Baumes oder eine Stufe ist. Also klettert das Kind über den Schatten oder es fällt über die Stufe. Die Reaktion des Kindes passt nicht zu dem Sinnesreiz.
Bildhaft kann man die Arbeit im Gehirn mit dem Straßenverkehr vergleichen: Bei einer guten Verarbeitung aller Sinneswahrnehmungen läuft der Verkehr reibungslos. Ist die sensorische Integration gestört, werden einige Sinneswahrnehmungen aufgehalten und andere, vielleicht unwichtige, verstärkt durchgeleitet- ein Chaos.
Wenn das Gehirn Sinneseindrücke nicht richtig verarbeiten kann, ist es auch gewöhnlich nicht in der Lage, sinnvolle Verhaltensweisen zu bestimmen. Ohne eine gute sensorische Integration fällt einem das Lernen schwer, und das betreffende Individuum fühlt sich des öfteren unzufrieden mit sich selbst und kann nicht gut genug mit alltäglichen Forderungen oder Stresssituationen fertig werden.
Weil es sich hier nicht um eine Krankheit handelt, ist die Diagnose für den Kinderarzt schwierig. Bei den Vorsorgeuntersuchungen werden Krankheiten ausgeschlossen und es kann passieren, dass ein Kind bis zur U9 unauffällig ist und dennoch mit Wahrnehmungsstörungen kämpft. Zum Glück schreitet die Aufklärung weiter fort und viele Ärzte fragen sehr gezielt. Die Fachrichtung für Diagnose und Behandlung ist die Ergotherapie. Der Kinderarzt wird aber z.B. mit Hör- und Sehtests weitere Erkrankungen ausschließen.
Niemand von uns ordnet seine Empfindungen perfekt. Glückliche, produktive und gut koordinierte Menschen mögen dieser vollkommenen sensorischen Integration am nächsten kommen. ... Wenn das Gehirn die sinnliche Wahrnehmung schlecht verarbeitet, führt dieser Umstand im Leben des betreffenden Menschen zu den verschiedensten Schwierigkeiten. Er muss sich mehr anstrengen und hat häufiger Probleme als andere und andererseits trotz aller Bemühungen auch weniger Erfolg und Befriedigung.

Was verursacht Wahrnehmungsstörungen?
Die Ursache für das Auftreten von Wahrnehmungsstörungen ist noch unklar. Wahrscheinlich sind auch mehrere Faktoren gleichzeitig dafür verantwortlich.
  • Einige Forscher vermuten eine angeborene Veranlagung. Das Auftreten der Erkrankung wäre dann genetisch bedingt.
  • Viele denken, dass die Zunahme von Umweltgiften, wie z.B. Luftver-schmutzung, zerstörerische Gifte oder andere Chemikalien, die wir in unseren Körper aufnehmen, zu diesen Störungen im Gehirn beitragen können. Diese Schädigung kann auch schon im Mutterleib stattfinden.
  • Das Kind trainiert im Mutterleib schon alle Sinnesorgane. Wenn es zu früh geboren wird und still im Brutkasten liegt oder wenn die Mutter während der Schwangerschaft lange Zeit strenge Bettruhe hat, fehlen dem Kind wichtige Reize für sein Gleichgewichtssystem. Das kann zu Störungen führen.
  • Während der Entbindung kann ein Sauerstoffmangel das Nervensystem schädigen und dadurch Wahrnehmungsstörungen verursachen.
Unabhängig von der Ursachenforschung ist es für die Behandlung wichtig, dass alle, die mit dem Kind zu tun haben, verstehen, wie sich die Wahrnehmungs- störungen auswirken! Keiner muss sich schuldig fühlen, aber alle müssen die bestehenden Schwierigkeiten akzeptieren. Nur so kann man die notwendigen Hilfestellungen geben, um an einer Verbesserung zu arbeiten.

Anzeichen für Wahrnehmungsstörungen
Jedes Kind zeigt seine eigenen, persönlichen Symptome- je nachdem welcher Bereich gestört ist. Man muss sich vorstellen, dass jede Sinneswahrnehmung verfälscht, gestärkt oder abgeschwächt werden kann und welche Vielzahl an Erscheinungsbildern dadurch möglich wird! Deshalb werden die Therapeuten mehrere Testreihen durchführen, um die genauen Störungen zu ermitteln und einen Therapieplan entwerfen.
Aber es gibt auch besonders häufige Anzeichen und Kombinationen:
Wenn ein Kind ständig bedrückt wirkt, sehr leicht weint und nur selten ausgelassen und fröhlich ist, könnte das ein (!) Zeichen für Wahrnehmungsstörungen sein.
Das erklärt sich durch die ständigen Schwierigkeiten, die das Kind bewältigen muss. Es gibt sich mehr Mühe, verbraucht mehr Kraft und hat weniger Erfolg. Wie soll es da Befriedigung und Freude empfinden?
Häufig zeigen die Kinder einen zu niedrigen Muskeltonus, d.h. die Grundspannung der Muskeln ist zu gering. So muss das Kind viel Energie aufbringen, um den Kopf und den Körper entgegen der Schwerkraft aufrecht zu halten und es ermüdet deshalb rasch. Typisch ist, dass es den Kopf gerne mit der Hand abstützt, wenn es sitzt, und es lehnt sich gerne irgendwo an, wenn es lange stehen soll. Insgesamt wirkt das Kind zu schlaff oder zu steif (ein Versuch, die zu niedrige Muskelanspannung auszugleichen).
Wenn Kinder den Muskeltonus schlecht steuern (u./o. eine schlecht entwickelte Tiefensensibilität haben, siehe unten) halten sie die Dinge entweder zu leicht fest, so dass sie fallen, oder sie verkrampfen den Griff und das Arbeiten wird schwerer.
Beim Malen bewirkt diese schlechte Steuerung, dass der Stift oft auf den Boden fällt oder die Mine abbricht. Auf dem Blatt wird der Stift so fest aufgesetzt, dass tiefe Rillen im Papier entstehen, oder der Stift wird so locker geführt, dass man bei Buntstiften kaum eine Farbspur sieht. Wenn man die Anspannung der Muskeln nicht richtig steuern kann, wird jede Tätigkeit enorm anstrengend.
Wie ich gerade mit der Klammer andeuten wollte, zeigen sich die gleichen Probleme, wenn ein Kind eine schlecht entwickelte Tiefensensibilität hat. Häufig ist es so, dass diese beiden Störungen gemeinsam auftreten und das Arbeiten erschweren.
Die Tiefensensibilität ist die Fähigkeit unseres Körpers, unbewusst alle Muskel-bewegungen und die Stellung aller Gelenke wahrzunehmen, so dass ein genaues, inneres Bild unseres Körpers entsteht. Diese Eigenwahrnehmung (Propriozeption) entwickelt sich in der frühen Kindheit, wenn die Kinder unermüdlich ihren Körper bewegen und ausprobieren. Nur mit 1000 Erfahrungen kann dieses innere Bild vom eigenen Körper gespeichert werden. Dann haben wir eine gute Vorstellung, wo unser Körper aufhört. Mit geschlossenen Augen können wir mühelos unsere Körperstellung beschreiben. Mit einer gut entwickelten räumlichen Wahrnehmung können wir uns fortbewegen, ohne etwas anzustoßen. Das Gehirn speichert auch häufige Bewegungsmuster, so dass wir ohne Konzentration eine gewohnte Türschwelle überschreiten, in unser Auto einsteigen oder blind in den Schrank greifen.
Ist diese Eigenwahrnehmung gestört, wissen die Kinder kaum, wo sich ihre Hände und
Füße befinden. Sie können nicht fühlen, wie viel Muskelkraft nötig ist, um eine bestimmte Sache durchzuführen und deshalb zerbrechen sie oft ihre Spielsachen. Sie stolpern über Gegenstände und haben öfters Unfälle. Ohne ein sicheres Gefühl, wie viel Muskelkraft man einsetzen muss, kann Malen, Basteln, Brote schmieren und auch Klettern kaum gelingen. Wenn man nicht weiß, wo der eigene Rücken ist, wo Arme und Beine enden, wird man sich nur mit großen Problemen alleine anziehen können.
Viele Kinder haben eine schlechte motorische Koordination. Sie lernen das Sitzen und Laufen später als Gleichaltrige. Schleife binden und Fahrrad fahren ohne Stützräder fällt ihnen sehr schwer. Andere Kinder entwickeln sich im üblichen Tempo, aber sie wirken ungeschickt und tollpatschig. Die Bewegungen sind nicht leicht und anmutig und sie spielen nicht so geschickt wie andere. Auch hier kann man sich leicht vorstellen, dass es unmöglich wird, sich alleine die Hose anzuziehen, wenn Arme und Beine nicht zusammenarbeiten wollen.
Wenn sich die Bewegungen beider Hände nicht koordinieren lassen u./o. keine klaren Informationen von den Augen kommen (Hand-Auge-Koordination), wird das Kind eine Abneigung gegen Basteln, Malen und Puzzle legen zeigen, weil ihm diese Tätigkeiten nicht sinnvoll erscheinen und keine Befriedigung verschaffen können. Diese Kinder spielen häufig nicht mit dem Spielzeug ihrer Altersgruppe, weil es zu viel Feinarbeit verlangt und zu hohe Anforderungen stellt.
Oft ist das Gleichgewichtssystem gestört.
Davon können die Gleichgewichtsreaktionen betroffen sein, die uns im Fallen z.B. vor Kopfverletzungen schützen, dadurch, dass wir die Arme vor strecken. Gute Gleichgewichtsreaktionen sind wichtig, wenn wir über Steine oder unebenes Gelände gehen und wenn unser Körper plötzlich geschubst wird. So wird klar, dass ein Kind bei einer Störung häufig stolpern und fallen wird. Dadurch wird auch der Kontakt zu anderen Kindern erschwert, weil es z.B. bei wilden Spielen unsicher wird.
Bei einer Unterfunktion des Gleichgewichtsorgans reagiert das Gehirn zu schwach auf die Sinnesreize. Viele dieser Kinder werden nicht schwindelig oder torkelig, selbst wenn man sie viele Minuten dreht. Manchmal merken sie gar nicht, dass sie im Begriff sind zu fallen. Radfahren lernen ist sehr schwierig, da das Kind kaum Informationen bekommt, wann es sein Gewicht verlagern muss.
Gerade das Gleichgewichtsorgan arbeitet mit anderen Sinnesorgan zusammen und beeinflusst sie!
  • So erklärt sich, dass viele Kinder keine Bevorzugung einer Hand entwickeln. Anstatt nur eine Hand für feinere Arbeiten- wie Schreiben oder Benutzen von Handwerkszeug- zu gebrauchen, hat ein solches Kind die Angewohnheit, die rechte Hand vorwiegend auf der rechten Körperseite und die Linke auf der linken Körperseite zu benutzen. Man hat dann den Eindruck, dass das Kind beidhändig sei, aber in Wirklichkeit ist es mit keiner Hand geschickt.
  • Auch die Raumvorstellung ist davon betroffen, so dass das Kind sich schnell verläuft, z.B. beim Ballspielen in einer Mannschaft in die falsche Richtung läuft. Gerade die schlecht verarbeitete Raumvorstellung wirkt sich auf das schulische Lernen stark aus, denn wenn die Lage im Raum so unklar ist, werden Buchstaben gerne von rechts nach links geschrieben oder das Kind schreibt b statt d (häufiger als seine Klassenkameraden).
Bei einer Überfunktion des Gleichgewichtsorgans reagiert das Gehirn zu stark auf die Sinnesreize. Die Meldungen des Gleichgewichtsorgans werden im Gehirn so verarbeitet, dass bei kleinsten Bewegungen des Kindes ein Übermaß an Ausgleichsbewegungen befohlen wird. So kann das Kind kein Gleichgewicht finden und wird sich stark verunsichert fühlen. Wenn einfache Bewegungen schon so anstrengend werden, kann man wohl verstehen, dass das Kind viele Bewegungsarten vermeiden wird. So kann das Kind z.B. Angst haben, auf der Bordsteinkante zu laufen, obwohl offensichtlich keine Gefahr besteht. Diese Kinder mögen nicht springen, nicht klettern, nicht rutschen oder keine Purzelbäume schlagen. Das Beste, was man für ein solches Kind tun kann, ist, dass man seine Nöte berücksichtigt und alles versucht, um Schritt für Schritt sein Vertrauensbewusstsein aufzubauen.
Häufig zeigt sich eine Entwicklungsverzögerung der Sprache. Die Kinder sprechen viel später, können viele Worte nicht richtig aussprechen oder haben einen völlig falschen Satzbau. Die Problematik einer Sprachstörung wird einem erst bewusst, wenn ein Kindergartenkind sich nicht mit Fremden unterhalten kann oder vielleicht noch nicht einmal seinen Eltern seine Gefühle und Wünsche sagen kann.
Manche Kinder hören nicht gut zu, obwohl sie keine eigentlichen Hörprobleme haben. Man hat den Eindruck, dass die Worte zwar gehört werden können, aber auf dem Weg zum Gehirn verloren gehen.
Wenn das Kind die Sinneseindrücke, die die Augen vermitteln, nicht richtig ordnen kann (visuelle Wahrnehmungsstörungen), wird es Schwierigkeiten mit Bausteinen und Puzzlespielen haben. Das Hinauf- und Hinabsteigen von Treppen oder Bordsteinkanten wird erschwert. Das Kind verläuft sich oft und ist nicht gern an fremden Orten. Es malt später als Gleichaltrige und nicht so gut. Es hat Schwierigkeiten, die Unterschiede oder Ähnlichkeiten in Zeichnungen zu finden und Figuren vor unruhigem Untergrund (Spielzeug auf buntem Teppich) zu erkennen.
Einige Kinder können die Gefühle, die ihnen die Hautoberfläche vermittelt (Tastsinn, taktile Wahrnehmung), nicht ordnen. Sie werden ängstlich oder auch wütend, wenn andere Menschen sie berühren. Oft genügt es sogar, wenn sie ihnen nur zu nahe stehen. Diese Kinder mögen auch nicht matschen, arbeiten nicht gerne mit Knete oder Kleister u./o. gehen nicht gern barfuss über Sand oder Gras. Selbst die Liebkosungen der Eltern können diese Kinder verwirren, sie machen sich steif oder wehren jeden Kontakt ab. Das wirkt natürlich sehr verletzend, aber das Kind meint keine persönliche Zurückweisung, sondern möchte sich vor den unangenehmen Gefühlen schützen.
Ohne die taktile Sicherheit durch eine Mutter-Kind-Bindung wächst das betreffende Individuum mit weniger emotionaler Sicherheit auf. Kinder mit Störungen der Berührungswahrnehmungen haben sehr oft Schwierigkeiten, gefühlvoll zu sein, obwohl sie selbst mehr Gefühlszuwendungen benötigen als ein normales Kind. Sie reagieren oft überschießend bei ganz alltäglichen Forderungen des Lebens. Sie haben auch oft Schwierigkeiten, Dinge von sich aus zu tun.
Viele Kinder sind überaktiv und sehr leicht ablenkbar.
Das Kind ist praktisch die ganze Zeit über in Bewegung. Es pflegt zu rennen, anstelle zu laufen, und viele seiner Aktivitäten sind nicht zweckmäßig. Still zu sitzen und sich auf irgend etwas zu konzentrieren, ist nahezu unmöglich.
Die Kinder werden sehr leicht von Geräuschen oder Tätigkeiten der sie umgebenden Menschen abgelenkt, weil sie diese Wahrnehmungen nicht "abschalten" können. So kann ein Kind praktisch nichts zu Ende bringen, da es zu viele Dinge gibt, die es verwirren, ablenken, übererregen oder gar aus der Fassung bringen.
Die vielen Schwierigkeiten des Kindes wirken sich auch auf sein Verhalten aus.
Ein Spiel zu verlieren ist sehr erschreckend für sein schwach entwickeltes Selbstbewusstsein und so zerstört es das Spiel lieber vorher. Sein Spielzeug oder seine Nahrung mit jemandem zu teilen bereitet ihm Schwierigkeiten. Es versucht unentwegt, sich das Gefühl zu verschaffen, erfolgreich und bedeutend zu sein, und deshalb kann es nicht an die Bedürfnisse anderer Leute denken. Da sein Gehirn in einer anderen Weise reagiert, handelt es oft anders, als die Umstände es erfordern. Es ist überempfindlich und seine Gefühle sind oft verletzt. Es kann mit den täglichen Belastungen nicht fertig werden, ebenso wenig auch mit neuen oder nicht vertrauten Situationen. Da andere Menschen sein Verhalten nicht mögen, lieben sie das Kind auch nicht besonders und bereiten ihm Schwierigkeiten.
Die meisten Kinder haben nur ein sehr schwach ausgeprägtes Selbstvertrauen. Als sehr kleine Kinder entdeckten sie schon, dass sie im Vergleich zu den Spielgefährten vieles nicht so gut können.
Vielleicht meint das Kind dann, es wäre dumm oder schlecht, besonders dann, wenn andere Kinder ihm so etwas erzählen. In einem solchen Fall ist es nicht genug, ihm nur in Worten zu sagen, dass es nicht dumm oder schlecht sei. Worte oder Gedanken können seinem Gehirn nicht helfen, sich besser zu organisieren. Lediglich erlebte Empfindungen und Anpassungsreaktionen können seine Selbstachtung aufbauen.
Nach dieser langen Aufzählung möchte ich noch einmal betonen, dass jedes Individuum, das unter Wahrnehmungsstörungen leidet, völlig andere Symptome zeigen kann: Je nachdem, welche Sinneswahrnehmungen gestört sind und wie stark die Störungen ausgeprägt sind.
Insgesamt entwickeln sich die betroffenen Kinder ungleichmäßig: Einige Bereiche sind altersentsprechend, vielleicht sogar noch weiter entwickelt, und in den gestörten Bereichen liegen die Leistungen unterhalb der Altersgruppe. Dadurch entsteht bei uns Laien schnell der Eindruck, dass das Kind in diesen Bereichen einfach nur etwas mehr Zeit braucht und schon noch alles aufholen wird, weil es doch sonst auch so fit ist...
Nun ist es aber so, dass eine gute Verarbeitung aller Sinneswahrnehmungen die Grundvoraussetzung für das schulische Lernen ist. Nur mit einer guten Verarbeitung aller Wahrnehmungen erreicht man die Schulreife und die Fähigkeit, die Anforderungen im Alltag gut zu bewältigen.
Anders gesagt: Wenn die Störung insgesamt nur schwach ausgebildet ist, kann es sein, dass die einzige sichtbare Schwierigkeit des Kindes im Lernen besteht, und zwar sowohl im Erlernen des Lesens als auch des Rechnens. In diesen Fällen sagen die Lehrer und Psychologen, dass es sich um eine Lernschwierigkeit handelt. Viele Lernprobleme sind jedoch das Ergebnis schlechter sensorischer Integration.
Ein wichtiges Anzeichen für die Notwendigkeit einer Therapie ist der Eindruck, dass Ihr Kind unter seinen Störungen im Alltag leidet, dass es nicht machen kann, was es gerne möchte. Dann sollten Sie das Gespräch und Hilfe suchen, denn diese Störungen wachsen sich nicht aus und die Kinder sind nicht einfach nur "langsame Entwickler"
- sie brauchen Hilfe.

Auswirkungen im Alltag
Die Auswirkungen auf den Alltag sind groß.
Einige Kinder sind schon als Säugling sehr unruhig, schlafen schlecht, lassen sich nur schwer trösten, wollen sich nicht auf Breikost umstellen lassen, können sich nicht gut alleine beschäftigen, müssen zur Krankengymnastik etc. Einfach anstrengend.
Einige Kinder haben Probleme, die man nicht versteht. Sie weinen plötzlich, weil man einen fremden Raum betreten hat oder sich in einer größeren Gruppe befindet. Sie haben Panik in den Augen, weil der Aufzug losfährt oder weil man ihnen ein pelziges Kuscheltier in den Arm geben möchte.
Besonders im erzieherischen Bereich sieht man sich schnell in die Defensive gedrängt. Das Kind hat so andere Schwierigkeiten, dass man vielleicht doch alles falsch macht. Freunde und Verwandte sparen nicht mit Vergleichen, Beurteilungen und Ratschlägen.
Solange man nichts über Wahrnehmungsstörungen weiß, kann man kaum erklären, warum man dem Kind immer noch beim Anziehen hilft oder warum sein Verhalten in einigen Bereichen so auffällig ist. Für die Erziehenden ist das eine starke Belastung, denn im Vergleich zu den Geschwistern scheint es unerklärlich, warum dieses Kind so viel Kraft kostet.
Für die Kinder ist es natürlich am schwersten. Sie merken selbst, dass ihnen etwas schwer fällt, mit dem andere Kinder überhaupt keine Schwierigkeiten haben. Sie fühlen ihre Unsicherheit, vielleicht auch Ängste und hören die entnervten Eltern: "Nun mach doch mal! Pass doch auf!" Und dann wundern wir uns, dass sie keine Lust mehr haben...
Für die betroffenen Kinder ist es enorm schwierig, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln. Sie kämpfen mit so vielen Schwierigkeiten und sie erzielen mit mehr Leistung ein schlechteres Ergebnis als andere. Je nach Temperament werden sie bei einem Problem völlig ausrasten oder sich still in sich zurück ziehen. Für alle Beteiligten wird es schwierig, wenn der Anlass kaum zu erkennen ist. So kann ein wahrnehmungsgestörtes Kind plötzlich um sich schlagen, weil es am Arm berührt wurde und sich bedroht fühlt. Das Zusammenleben kann sehr anstrengend sein, weil das Kind anders reagiert als die Beteiligten es erwarten.
Um überhaupt mit dem ständigen Versagen zurecht zu kommen, wird das Kind verschiedene Ablenkmanöver und Strategien für sich entwickeln. Niemand soll merken, dass es Schwierigkeiten hat! So wird es den Clown spielen, wütend um sich treten, keine Lust haben ("Basteln ist doch doof!")- und oft ist das Vermeiden so perfekt, dass keiner bemerkt, dass die Fähigkeiten dazu fehlen!
Dieses Vermeiden macht die Erziehung so schwierig, denn wenn das Kind nur herumalbert statt sich alleine anzuziehen, dann hat es doch nur keine Lust, oder? Vieles sieht nach Absicht oder Faulheit aus, so dass die Geduld der Eltern schnell zu Ende ist. Obendrein ist das Leistungsvermögen stark von der Tagesform abhängig: Manchmal kann das Kind die Jacke anziehen und manchmal kämpft es vergeblich um den zweiten Ärmel. Schon liegt einem das "Nun mach doch mal! Gestern hat es doch auch so gut geklappt!" auf der Zunge. Wer soll das begreifen, dass es plötzlich einfach nicht geht? Aber dem kindlichen "Ich kann das nicht!" muss man vielleicht nur ein "Jetzt" hinzufügen und durchaus ernst nehmen! Die Fähigkeiten schwanken enorm! Oft kann das Kind nach ausgiebigem Toben kleine Perlen auffädeln, die es sonst nicht schafft. Oder das Kind kann nach langem Stillsitzen / Fernsehgucken die einfachsten Sachen nicht mehr. Manchmal kann man einen Zusammenhang entdecken, oft läuft ein ganzer Tag schief. Aber soll man ein Kind mit seinem Frust allein lassen, nur weil man nicht versteht, warum es jetzt nicht klappt? Es bleibt eine Gratwanderung, so wenig Hilfe wie nötig zu geben und eben doch wieder zu helfen. Man braucht ein dickes Fell, um Bemerkungen wie "Du verwöhnst dein Kind! Du bedienst es von hinten bis vorne!" zu ertragen. Aber die Frage lautet nicht "Was denken die anderen, wenn ich...?" sondern "Was braucht mein Kind jetzt?" Und das Kind braucht Bestätigung, Ermutigung, Anreiz und Hilfe.
Wir sollten aber auch nie vergessen, dass jede aufgedrängte Hilfe dem Kind signalisiert: "Ich traue es dir nicht zu!" Wir müssen Wege suchen, dass das Kind wenigstens teilweise hilft. Als Vorraussetzung muss man genug Zeit einplanen, denn sonst ist die Geduld schnell zu Ende.
Für viele wahrnehmungsgestörte Kinder ist es schwierig, Freunde zu finden.
Wenn man weder klettern, noch matschen und Ball spielen mag, kann man an vielen Aktivitäten nicht teilnehmen. Obendrein fühlen sich die meisten in einer größeren Gruppe sehr unwohl.
Wettkampfspiele sind vielen verhasst, weil sie eine Niederlage nicht ertragen können, und beim Fangen selbst gefangen zu werden, kann bedrohlich wirken. (Das sollte man auch an Kindergeburtstagen nicht vergessen...)
Viele Kinder haben Schwierigkeiten, sauber zu werden. Wenn das Kindergartenalter naht, kommt unwillkürlich die Frage, ob man erzieherisch doch versagt hat, weil das Kind noch nicht trocken ist und noch so viel Hilfe braucht. Die bange Frage, ob das Kind zurecht kommen wird, taucht auf. Vielleicht kommt plötzlich die Empfehlung, einen integrativen Kindergartenplatz zu suchen.
Die Fragen zur Einschulung und die Sorgen bei Lernschwierigkeiten belasten das Familienleben. Auch wenn es "nur" eine Störung ist, so können die Auswirkungen doch groß sein.

Was hilft bei Wahrnehmungsstörungen?
In erster Linie hilft die Ergotherapie. Es gibt viele Therapiekonzepte und je nach Diagnose wird der Ergotherapeut entscheiden, wie er vorgehen möchte.
Besonders interessant finde ich die Erklärung von Jean Ayres, dass die kindliche Entwicklung aus verschiedenen Entwicklungsstufen besteht, die aufeinander aufbauen- wie bei Bausteinen kann die nächste Stufe nur aufgebaut werden, wenn die darunter liegende komplett entwickelt ist. Wenn ein Kind also z.B. mit der Feinmotorik noch Schwierigkeiten hat, kann es die höherliegende Stufe mit dem Schreibenlernen nicht befriedigend erreichen. Daraus folgert, dass es wenig Sinn macht, mit diesem Kind Schönschrift zu üben! Nach Jean Ayres geht man eine Entwicklungsstufe zurück (bzw. bis zu der Entwicklungsstufe zurück, die die ersten Lücken hat) und übt dort, um die Lücken zu schließen- dann läuft die Entwicklung automatisch weiter. Um bei dem Beispiel zu bleiben, würde man die Feinmotorik üben und das Schriftbild verbessert sich von selbst. Dieses Prinzip wirft ein völlig anderes Licht auf Schulprobleme! Statt nervtötender Extra-Paukereien können die Eltern Möglichkeiten zur Weiter-entwicklung schaffen. Im Gespräch mit dem Therapeuten wird man sicher Anregungen erhalten.
Schon sind wir bei der Frage: Was kann man denn zu Hause tun?
Jede Menge! Die Therapiestunden sind wichtig und geben die Entwicklungsanreize, aber um möglichst viel zu erreichen, sollte die Entwicklung zu Hause und im Kindergarten / in der Schule unterstützt werden.
Je nach Art der Störung wird der Ergotherapeut sicher Anregungen geben, wenn er das Kind gut kennen gelernt hat. Fragen Sie ihn auch! Schließlich geht es um Ihr Kind und es geht darum, dass Sie im Alltag besser zurecht kommen!
Allgemein ist es für die gestörten Bereiche wichtig, dass jeder die Abwehrreaktionen des Kindes akzeptiert! Niemand soll das Kind zu etwas zwingen, das es nicht tun mag. Von erzwungenen Bewegungen und Berührungen kann das Kind nichts lernen. Es empfindet nur Unwohlsein, Angst, Vertrauensverlust und Minderwertigkeitsgefühle.
Aber es ist wichtig, dass wir dem Kind Angebote machen. Dabei soll die Initiative vom Kind ausgehen, wenn es darum geht, etwas Neues auszuprobieren. Wenn es mit Spaß dabei ist, haben wir das richtige Angebot gefunden.
An dieser Stelle zeigt sich besonders, wie schwierig es ist, über Wahrnehmungs- störungen zu schreiben. Wo hört gut zureden auf und wo fängt zwingen an? Das muss sicher im Einzelfall abgewogen werden- wichtig ist mir, dass uns bewusst ist, dass wir die Kinder nicht zwingen wollen.
Aber es ist wirklich ein Problem, wie die Erziehenden herausfinden können, ob das Kind mit einer Tätigkeit überfordert ist oder ob man es noch weiter motivieren soll.
Die meisten Kinder sind so perfekt im Vermeiden von schwierigen Situationen (Clown spielen, etwas anderes wollen, Wutanfall), dass es sehr schwer zu beurteilen ist.
Manchmal zeigt das Kind Fähigkeiten während der Ergotherapie, die es zu Hause nicht anwenden will. Liegt es dann doch an der Erziehung? Oder zeigt die Abneigung nur, wie viel Kraft diese Tätigkeit kostet- kein Mensch kann den ganzen Tag Höchstleistungen vollbringen! In diesem Fall ist die Höchstleistung der Therapie- stunde vorbehalten und das Kind möchte auch mal Feierabend haben... Tja, schwierig!

Das berührungsempfindliche Kind
Manchmal ist es sehr drastisch, wie energisch das Kind ein Pelztier, Samt oder Wolle ablehnt. Wenn man nichts über die Ursache weiß, ist man schnell geneigt, das Kind zu überreden, den Wollpulli zu tragen oder das Pelztier zu streicheln. Aber wenn es nicht (wie Haare waschen oder Nägel schneiden) notwendig ist, macht es nicht viel Sinn, sondern ist nur eine Belastung für das Kind. Wichtig ist es aber dennoch, andere Materialien oder Methoden zu suchen, um dem Kind möglichst viele taktile Reize zu bieten!
Man sollte sich bewusst machen, dass das Kind alles anfassen darf, was es möchte (sofern es nicht gefährlich ist)- auch wenn das Kind dabei dreckig wird oder die Aktion uns mehr Arbeit macht. Das hört sich so selbstverständlich an, aber wer hat es gerne, wenn sein Kind plötzlich in den Mehltopf greift?
Wir können mit gutem Beispiel voran gehen und dem Kind plüschiges Moos zeigen und es selbst einfach streicheln. Die Aufforderung es nachzumachen können wir uns sparen- irgendwann soll die Neugierde siegen...
Wenn Sie Ihr Kind streicheln wollen, soll es kein flüchtiges, leichtes Wischen sein. Viele Kinder ertragen eine langsame, feste Bewegung mit der ganzen Handfläche besser. Oder Sie halten Ihr Kind einfach ruhig und fest auf Ihrem Arm umschlungen- ohne Streicheln und Wiegen fühlt sich manches Kind wohler. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind diese Nähe immer mehr genießen kann, können Sie vielleicht langsames Streicheln oder leichtes Wiegen dazunehmen.
Wenn Ihr Kind Berührungen am Kopf oder an den Armen nicht mag, versuchen Sie es zuerst am Rumpf- oder umgekehrt.
Vielleicht mag Ihr Kind nach dem Bad nackt unter seine Decke schlüpfen und Sie suchen einen Körperteil und raten, welcher es ist. Dabei darf man das Bein oder den Arm ruhig etwas gegen die Matratze drücken, damit das Kind sich gut spüren kann.
Man darf nie vergessen, dass die Ablehnung von Küssen und Schmusen nicht persönlich gemeint ist! Angehörigen und Freunden kann man das erklären.
Wenn Ihr Kind jemanden, der es versehentlich berührte, schlägt, erklären Sie diesem, dass es sich um eine automatische Schreckreaktion handelte, die das Kind nicht unter Kontrolle hat. Es wäre allerdings auch angemessen, wenn das Kind sich für sein Verhalten entschuldigen würde.
Vielleicht mag Ihr Kind eine aufgerollte Decke in seinem Bett. Wenn es sich dagegen lehnt, kann es sich besser spüren und fühlt sich wohler. Besonders für kleinere Kinder gibt es Lagerungsrollen, die das Kind rundherum wie ein Nest umgeben.
Kitzeln ist ein Reiz, der sehr schwer zu verarbeiten ist. Man muss automatisch lachen, auch wenn man es absolut nicht mag. Das ist dann für das Kind wirklich nicht lustig!
Man kann das Kind auch an Arbeiten beteiligen, bei denen es Dinge heben, tragen oder ziehen muss. Dabei kann es sich gut spüren.
Das Kind soll merken, dass wir seine Schwierigkeiten verstehen.
Ein Kind, das mit der Eigenwahrnehmung Schwierigkeiten hat, kann einfach nicht still sitzen, weil es sich sonst gar nicht mehr spürt. Da die Meldungen des Körpers, welche Muskeln sich bewegen und in welcher Stellung die Gelenke sind, nicht richtig "ankommen", muss das Kind mehr Bewegung u./o. Anspannung der Muskeln erzeugen, damit es fühlt, dass es noch da ist. Der Vorgang verläuft unbewusst, aber für unser Wohlbefinden ist es enorm wichtig, dass wir uns spüren. Man sieht es z.B. auch noch bei uns Erwachsenen, dass wir bei Nervosität und Unsicherheit anfangen, die Hände zu reiben oder mit den Fingern die Haare oder Lippen berühren- sich selbst zu spüren vermittelt Sicherheit und Vertrauen. Es nützt also gar nichts, wenn wir betroffene Kinder ermahnen, still zu sitzen. Wir müssen ihnen helfen, sich zu spüren. Manchen Kindern hilft das Sitzen auf einem Sitzball, weil es ständig minimale Aus-gleichsbewegungen erfordert. Andere kommen mit einem Kirschkernsäckchen unter den Fußsohlen oder auf den Schultern zurecht. Vielleicht hilft etwas Therapieknete auf langen Autofahrten oder eine kurze Bewegungspause (Drehen, Schaukeln) bei den Hausaufgaben. Wenn wir Eltern die Probleme kennen und das Kind beobachten, können wir ihm helfen, seinen Bedarf an Selbstwahrnehmung in effektive Bahnen zu lenken.

Das Kind mit Gleichgewichtsstörungen
Für ein Kind mit Gleichgewichtsstörungen muss man eine Umgebung schaffen, in der es sich viel bewegen kann. Rennen, Springen, Klettern und Schaukeln sollte möglich sein. Es lässt sich auch vieles in der Wohnung verwirklichen!
Auch wenn objektiv keine Gefahr droht, sollten wir die Ängste des Kindes ernst nehmen und es nicht drängen. Wir müssen Möglichkeiten suchen, die Bewegung zu verlangsamen oder zu vereinfachen. Vielleicht hat das Kind dann Lust, es zu versuchen. Wenn es gelingt und Spaß macht, wird das Kind selbst eine Steigerung suchen, wenn es so weit ist.
Sachliche Anweisungen sind gefragt ("Du musst erst mit dem Fuß noch einen Halt finden, bevor du die Hand wechselst.") und keine allgemeinen Zurufe wie "Pass auf!"
Stark verunsicherte Kinder mögen vielleicht lieber am Körper der Eltern bewegt, gewiegt, geschaukelt und gehoben werden. Dabei lassen sich Tempo und Ausmaß auch ideal regulieren!
Toben in den Betten und Huckepackreiten sind angesagt!

Das Kind mit feinmotorischen Schwierigkeiten
Wenn ein Kind eine schlecht entwickelte Feinmotorik hat, wirkt sich das auf viele Bereiche aus. Seine Selbständigkeit wird beeinträchtigt, wenn es sich nicht alleine an-und ausziehen und nicht alleine essen kann. Viele Spiele seiner Altersgruppe werden ihm nicht gelingen. Das kann sein Selbstwertgefühl und sein soziales Verhalten negativ beeinflussen.
Ein kleines Kind übt seine Handmotorik mit allen Greif-Loslass-Spielen.
  • Wir können das Kind unterstützen, wenn wir ihm verschiedene Gegenstände aus verschiedenen Richtungen und unterschiedlichen Abständen anreichen. Dabei wird die Richtungs- und Raumwahrnehmung und die Auge-Hand- Koordination geübt, die ja mit der Handmotorik eng verknüpft sind.
  • Insgesamt soll das Kind viel Gelegenheit haben, sich mit unterschiedlichen Gegenständen zu beschäftigen, um Erfahrung mit Form, Oberfläche, Konsistenz und Gewicht zu sammeln.
  • Präzises Loslassen wird beim Türme bauen geübt. Einfacher ist es, Kastanien in Eierkartons (als Palette) fallen zu lassen. Dosen ein- und ausräumen ist auch sehr beliebt.
  • Um den Pinzettengriff zu üben, kann man Perlen in eine Schachtel sortieren o.ä. Später kommen alle Fädelspiele dazu.
Allgemein eignen sich dickere Essgeräte und Malstifte besser als dünne. Der Ergotherapeut wird Sie gerne beraten.
Für ein älteres Kind ist es wichtig, seinen Körper bewusst zu erleben. Es kann die verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten der Hand ausprobieren (der Daumen kann die anderen Fingerspitzen besuchen / die Finger haben 3 Gelenke und der Daumen nur 2) und die Namen nennen.
Wenn man die Finger mit Farbe bestreicht, kann das Kind mit gespreizten Fingern einen Handabdruck machen und seine Finger dem Handabdruck zuordnen.
Mit einem Stift kann man den Umriss der Hand auf ein Stück Papier malen und auch die Fingernägel einzeichnen.
Beim Werfen und Fangen mit einem großen Ball wird das Spreizen der Finger geübt.
Alle Ballspiele sind besonders gut geeignet, weil sie gleichzeitig die Raumwahrnehmung und das Reaktionsvermögen üben. Wenn ein Kind den Ball kaum schnappen kann, lässt man ihn über den Boden rollen. Besonders schön ist eine Sammlung von verschieden großen und schweren Bällen; es gibt auch aufblasbare Bälle, einen Zottelball (aus Gummifäden) oder einen Schaumstoffball.
Die Industrie bietet eine Vielzahl an Spielen, die die Feinmotorik fördern:
Fädelspiele, Stapel- und Steckspiele, Hämmerchenspiel, Knete, Murmeln, etc.
Besonders hervorheben möchte ich das Spielen mit Wäscheklammern und das Spannen von verschieden großen Gummis.
Die Muskelkraft der Finger wird geübt, wenn die Kinder etwas schweres heben.
Das Hängen an einer Turnstange kräftigt die Beugemuskeln der Hand, sollte aber nicht bei übergewichtigen Kindern angeboten werden.

Der Alltag
Es ist zweifellos sehr schwer, mit einem Kind, das unberechenbar, stur, unkameradschaftlich, gemein und feindselig ist, einverstanden zu sein. Es überbeansprucht die Geduld auch der tolerantesten Eltern. ... Wenn Sie sich bewusst sind, dass das Kind ein körperliches, wenn auch unsichtbares Gebrechen hat, fällt es Ihnen vielleicht leichter, sein Verhalten und seine besondere Art zu akzeptieren.
In erster Linie braucht Ihr Kind Geduld und Anerkennung.
Mit der Geduld ist das so eine Sache, wenn es jeden Tag die gleichen Kämpfe gibt. Wie viele Missgeschicke kann man einstecken, bevor man doch laut seufzen muss oder schimpft? Wir sind auch nur Menschen und sollten unsere Gefühle nicht verdrängen! Wir dürfen uns ärgern und wütend werden, aber das Kind sollte spüren können, dass uns das dritte Aufwischen ärgert und nicht das Kind selbst!
Wer das Glück hat, den Schreck in den Augen zu sehen, bevor das großkotzige Ablenkmanöver des Kindes einsetzt, kann sicher gelassener bleiben.
Für sein Selbstbewusstsein braucht Ihr Kind dringend Anerkennung. Dauerndes in den Himmel loben ist sicher nicht sinnvoll, aber man kann auch das Bemühen oder die Idee loben- selbst wenn das Kind jammert, dass es nicht mehr weiter kommt. Das Kind braucht eindeutige und ehrliche (!) Rückmeldungen über seine Leistungen. Aber man kann das gut Gelungene hervorheben statt wortreich Verbesserungsvorschläge für das Missratene zu machen.
Wir müssen lernen, emotionale Krisen vorauszusehen.
Wenn wir unser Kind gezielt beobachten, werden wir erste Warnzeichen entdecken, wenn zu hohe Anforderungen gestellt werden. Vielleicht wird es überaktiv, abweisend, aggressiv, weinerlich oder es zieht sich zurück. Vielleicht wirkt es stur.
Es ist eine Erleichterung für beide Seiten, wenn wir frühzeitig eingreifen und für Entspannung sorgen.
Je nach Situation und Vorlieben des Kindes muss die Reizüberflutung gedämpft oder das Kind an einen ruhigen Ort gebracht werden. Manchen Kindern hilft das Schmusen mit einem Kuscheltier, anderen Schaukeln, ein Bad oder ein Spaziergang.
Sanftes Reiben in der Mitte des Rückens von oben nach unten (nicht umgekehrt) kann das Wiedergewinnen eines geordneten Hirnzustands fördern.
Verständnis und Rücksicht bedeuten nicht, dass Sie Ihrem Kind keine Disziplin beibringen sollen. Jedes Kind braucht zu bestimmten Zeiten ein Zurechtweisen in seine Grenzen. Belohnungen oder bestimmte Privilegien dem Kind wieder wegzunehmen (z.B. Fernsehen verbieten, weil das Kind sich schlecht benommen hat) sind Grundelemente, um das Kind zu einem gewissen Gehorsam zu bringen. Lassen Sie sich nicht in eine Debatte mit Ihrem Kind über Zucht und Ordnung ein; erzählen Sie ihm einfach, was Sie tun und warum Sie es tun. Wenn Sie einmal eine Entscheidung getroffen haben, ob Ihr Kind eine Sache tun kann oder nicht, dann bleiben Sie dabei.
So ungeordnet das Kind im Innern ist, so sehr benötigt es äußere Ordnung, um Sicherheit zu gewinnen. Ein fester Tagesablauf, Rituale vor dem Schlafen / Essen und Konsequenz in der Erziehung geben dem Kind Halt.
Wenn man in akutem Erziehungsstress steckt und den Eindruck hat, nur noch nörgeln und schimpfen zu müssen, sollte man eine Bilanz versuchen. Sind meine Regeln eindeutig? Sind es zu viele und welche sind mir am wichtigsten? Weniger ist in diesem Fall mehr, wenn ich auf die Einhaltung achten kann. Nach dem Motto "Eins nach dem anderen" kann man sich einen Punkt rauspicken und durchstehen- und weniger Wichtiges hinten anstellen für später.
Die meisten Kinder haben Schwierigkeiten, ihre Sachen in Ordnung zu halten. Gleichzeitig können sie aber in dem Durcheinander auch schlecht spielen. Sie brauchen sicher Unterstützung beim Aufräumen und ein nicht zu volles Kinderzimmer!
Welche Anregungen kann ich dem Kind zu Hause geben?
Für alle Kinder ist Spielen, Toben und Matschen notwendig, damit die körperliche Entwicklung gut verläuft. Wenn das Kind lustvoll spielt, fördert das sicherlich auch die Integration der Sinne ( = die sinnvolle Verknüpfung der Sinneswahrnehmungen). Wenn Kinder aber sehr einseitig spielen und nicht im Spiel vertieft sind, brauchen sie Hilfe und Anregungen.
  • quer durch den Wald stapfen statt über den ebenen Rasen zu laufen
  • eine Matschecke im Garten anlegen
  • Tobespiele, Fangen, Verstecken (drinnen und draußen)
  • ein aufblasbares Gästebett zum Hüpfen, Hinschmeißen und Turnen ist vielseitiger als ein kleines Zimmertrambolin!
  • vielleicht ist Platz für eine große Stoffhängematte, die das Kind von drei Seiten umschließt, so dass es sich gut spüren kann
  • ein Luftballon zum Fangen üben (in einem Kopfkissenbezug erwischt ihn jeder) überhaupt alle Ballspiele
  • Abenteuerspielplatz, Schwimmbad
  • bei Regenwetter: 3 Tüten Linsen auf einer ausgebreiteten Decke zum Spielen (macht allen Spaß, aber trotz aller Vorsicht muss man anschließend saugen)
  • Decken und Wäscheklammern zum Bude bauen (einfach super: beinhaltet Planen, Ausführen, Feinmotorik, Klettern, sich spüren und vorsichtig bewegen)
  • in Decken ein- und ausrollen, auf der Decke liegend durch das Zimmer ziehen
  • drinnen mit alten Polstern oder draußen mit Brettern und Holzklötzen schiefe Ebenen und wackelige Konstruktionen beklettern
  • Knete selbst herstellen mögen sogar Kinder, die sonst nie kneten : 500g Mehl, 200g Salz, 2 Esslöffel Alaunpulver (Apotheke) miteinander vermischen, mit 1/2 Liter kochendes Wasser und 3 Esslöffel Öl vermengen, dann können die Kinder verschiedene Lebensmittelfarben einarbeiten
  • im Haushalt helfen: mit dem Schneebesen rühren, fegen, Wäsche aufhängen...
  • Bewegungsspielzeuge zum Geburtstag: Kullerkreisel, Pedalo, Hüpfball, großer Gymnastikball, Tellerschaukel, Roller statt Fahrrad mit Stützräder, Laufdosen
  • aus 2 alten Bettlaken kann man einen langen Kriechtunnel nähen (an den kurzen Seiten zusammen nähen und dann die ganze Länge)
Es geht nicht darum, dass wir den ganzen Tag mit dem Kind spielen. Aber wenn wir es tun, können wir auch etwas anregen, das seine Entwicklung fördert. Wenn wir das Richtige erwischen, stellt sich der Spaß automatisch ein. Es soll kein Zwang werden, denn mit Druck kann das Kind keine Wahrnehmungen verknüpfen!
Was garantiert nicht hilft, ist fernsehgucken. Die Kinder werden berieselt und beim Abschalten gibt es ein böses Erwachen. Doppelt hart trifft es Kinder mit Wahrnehmungsstörungen, denn sie hätten die Zeit dringend für Bewegungs-erfahrungen nötig gehabt. Andererseits hat es oft den Anschein, dass gerade diese Kinder besonders computer- und fernsehsüchtig sind, so dass es zum harten Machtkampf um jede Minute kommt. Vielleicht ist es verständlich, weil sie sich im Alltag so mühen, dass sie froh sind, eine Zeit zu haben, ohne etwas leisten zu müssen und ohne sich mit anderen zu messen... Aber es ist unsere Pflicht, eine andere Möglichkeit zur Entspannung zu finden! Kann man nach all dem Getümmel im Kindergarten oder in der Schule nicht einfach mal Stille herrschen lassen und auch das Radio ausschalten? Sicherlich soll man die Kinder nicht von den Medien fernhalten. Ein komplettes Verbot hätte auch sicher nur zur Folge, dass sich das Kind fernseh- und computerfreudige Freunde sucht und dann dort guckt bzw. spielt. Wenn wir aber erkannt haben, wie wichtig Bewegung für Kinder ist, müssen wir dann nicht Wege suchen, den Kindern einen bewussten Umgang mit den Medien zu vermitteln? Ist es so schwierig, für die eigene Familie eine Höchstdauer festzulegen und einzuhalten?
Wenn wir bewusst unseren Alltag beobachten, werden wir vieles entdecken, was eher hilfreich oder eher störend auf unser Kind wirkt.
Dann sind wir unserem Ziel schon sehr nahe, denn nur so können wir unser Kind im Alltag unterstützen, mit seinen Störungen zu leben und sie möglichst noch weiter abzubauen.

Zum Schluss noch Buchtipps
  • Sabine Pauli, Andrea Kisch, Was ist los mit meinem Kind? Bewegungsauffälligkeiten bei Kindern, Ravensburger Verlag ( verständlich geschrieben, anhand von Beispielen erklärt, viele Tipps )
  • Ulla Kiesling, Sensorische Integration im Dialog Verlag modernes lernen
  • Roswitha Defersdorf, Drück mich mal ganz fest. Geschichte und Therapie eines wahrnehmungsgestörten Kindes, Herder Spektrum ( liest sich ganz leicht und enthält viele Informationen )
  • Roswitha Defersdorf, Ach, so geht das! Wie Eltern Lernstörungen begegnen können, Herder Spektrum ( betrifft Schulkinder )
  • Jirina Prekop, Der kleine Tyrann. Welchen Halt brauchen Kinder? Kösel Verlag ( wenn das Kind alle/s beherrschen will )
  • Steve Biddulph, Das Geheimnis glücklicher Kinder ( locker geschrieben und gut zu gebrauchen, wenn die Erziehung an den Nerven zerrt )
  • Carola Holland, Edith Schreiber-Wicke, Kai kann's ( ein Bilderbuch für gefrustete Kinder: Kai stolpert ständig, verschüttet oft etwas und hat Schwierigkeiten beim Anziehen. Eine graue Katze zeigt ihm, dass er "ziemlich geschickt im Wörterwerfen und Raupenretten" ist. Kurzer Text und schöne Bilder. )
  • Renate Zimmer, Schafft die Stühle ab! Bewegungsspiele für Kinder, Herder Spektrum

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